Saisonauftakt in Bad Mergentheim, 2. Bundesliga Ost

 

Saisonauftakt in Bad Mergentheim, 2. Bundesliga Ost

 

Die neue Saison startete für uns am 19.-20. September mit einer Doppelrunde gegen die beiden Münchner Vereine MSA Zugzwang und SC Garching.

 

Gegen die ausschließlich aus Titelträgern bestehende Münchner Mannschaft von MSA Zugzwang, darunter sogar gleich drei Großmeister an den ersten drei Brettern, gingen wir als klarer Außenseiter ins Spiel. Rückblickend verlief der Mannschaftskampf dann auch recht einseitig und wir verloren deutlich mit 2,5 zu 5,5. Hier eine kurze Zusammenfassung der einzelnen Partien.

 

Niko zeigte an Brett 1 einmal mehr sein Talent. In einer scharfen Sizilianischen Partie mit entgegengesetzten Rochaden setzte der Münchner Großmeister voll auf Angriff und schob seine Bauern immer weiter Richtung schwarzem König. Niko blieb jedoch cool und konterte diesen Flügelangriff lehrbuchmäßig mit einem Gegenangriff im Zentrum. Schnell zeigte sich, dass der weiße Angriff ins leere lief und Schwarz das Tempo vorgab. Als dann immer mehr schwarze Figuren den weißen König umkreisten blieb diesem nur die Aufgabe im 24. Zug.

 

Den zweiten vollen Punkt konnte ich selbst beisteuern. Nachdem ich in der Eröffnung früh einen Bauern erobert hatte, verlor ich jedoch etwas den Faden und konnte erst nach einem zähen Mittelspiel meine Gegnerin zur Aufgabe zwingen.

 

Christophers Partie endete etwas unspektakulär durch dreimalige Stellungswiederholung remis. Laut eigener Aussage hatte er diese Stellungswiederholung schlicht übersehen.

 

Spannender war dagegen die Partie von Klaus-Jürgen an Brett 7. Früh hatte er einen seiner schwarzen Bauern weit ins gegnerische Lager vorgeprescht und einen Vorposten für seine Figuren aufgebaut. Der weiße zeigte sich hiervon jedoch unbeeindruckt und spielte seinerseits voll auf Angriff. Dadurch entstand eine wilde Stellung, in der Klaus-Jürgen seine Chancen in ein Qualitätsopfer setzte. Allerdings fand der weiße eine phantastische Widerlegung in dem er seinerseits einen ganzen Turm zum Opfer anbot. Da die Annahme des weißen Turmopfers direkt zum Matt geführt hätte, versuchte Klaus-Jürgen noch mit weiteren Zügen die Stellung kompliziert zu halten, aber letztendlich hatte Weiß durch den starken Turmzug alles unter Kontrolle und verwertete seinen Materialvorteil.

 

Melanie verlor mit Weiß etwas unglücklich gegen Stefan Kindermann. Nachdem Sie aus der Eröffnungsphase in einem ausgeglichenen Schwerfigurenendspiel landete, unterlief ihr bei knapper Zeit ein Fehler, den der Großmeister sofort ausnutzte und ihren König in die Brettmitte trieb. Ohne den Schutz seiner eigenen Bauern wurde dieser dann schnell zum Angriffsziel von Dame und Turm, so dass sich Melanie geschlagen geben musste.

 

An Brett drei erwischte Siar keinen guten Start. Nach einigen Ungenauigkeiten in der Eröffnungsphase fand er sich gegen GM Hertneck schnell in einer passiven Stellung ohne Aussicht auf Gegenspiel wieder. Der Großmeister verwertete seinen Eröffnungsvorteil in der Folge ohne größere Probleme.

 

Ähnlich ungünstig verlief es an Brett 5 für Thorsten. Auch er fand sich nach der Eröffnungsphase in einer schwierigen Lage wieder, in der er seinem Gegner zunächst das Läuferpaar und anschließend noch das Zentrum zugestehen musste. In der Folge fand er keine Möglichkeit sich aus dieser Umklammerung der beiden weißen Läufer zu befreien und gab sich kurz vor der Zeitkontrolle geschlagen.

 

Christian spielte an Brett 4 wie gewohnt eine solide Partie verlor jedoch im Mittelspiel die Übersicht und musste nach und nach zusehen, wie sich seine Stellung verschlechterte. Nach einigen weiteren ungenauen Zügen fand er sich in einem verloren Endspiel wider und musste sich geschlagen geben.

 

SF Neuberg 2½-5½ MSA Zugzwang

 

1 Lubbe,Nikolas 1 : 0 Bromberger,Stefan 1

 

2 Ohme,Melanie 0 : 1 Kindermann,Stefan 2

 

3 Wahedi,Ahmad Siar 0 : 1 Hertneck,Gerald 3

 

4 Kuenstler,Christian 0 : 1 Zysk,Robert 4

 

5 Overbeck,Thorsten 0 : 1 Lammers,Markus 6

 

6 Seifert,Christopher ½ : ½ Eichler,Christoph 7

 

7 Lutz,Klaus-Juergen,Dr. 0 : 1 Hoffmeyer,Falk 8

 

8 Schaffer,Hendrik 1 : 0 Dengler,Dijana 14

 

 

 

Abends ließen wir den Mannschaftskampf in einem gemütlichen Restaurant in der Bad Mergentheimer Altstadt noch einmal Revue passieren und waren zuversichtlich für den bevorstehenden Mannschaftskampf gegen den SC Garching. Nominell nicht viel stärker als wir, rechneten wir uns hier Chancen auf die ersten Mannschaftspunkte in der neuen Saison aus. Am Ende reichte es nach dramatischen Geschehnissen leider auch hier nur zu einem 3-5. Aber der Reihe nach.

 

Die ersten Punkte konnten Christian und ich jeweils mit Schwarz beisteuern. Christian bekam eine Benoni-Stellung aufs Brett, in der sein Gegner bereits nach 14 Zügen ein Remisangebot unterbreitete. Vermutlich hatte er sich in der Vorbereitung von der soliden, aber stets gefährlichen Spielweise Christians überzeugen können und war an diesem Tag nicht auf einen langen Kampf eingestellt. Christian willigte letztlich ins Remis ein, was mit Schwarz ein gutes Ergebnis ist.

 

Ich selbst musste deutlich mehr leiden, um den halben Punkt zu erreichen. Nachdem ich in der Grünfeldindischen Eröffnung zu früh das Zentrum öffnete, erlangte meinen Gegner eine bequeme und deutlich aktivere Stellung. Obwohl meine Stellung keine direkten Schwächen aufwies musste ich vorsichtig sein, nicht nach und nach überspielt zu werden. Daher versuchte ich mich im Verlauf der Partie durch Figurentausch zu entlasten. An einer Stelle fand mein Gegner dann auch nicht die aussichtsreichste Fortsetzung und ich erhielt die Möglichkeit sein Bauernzentrum aufzulösen. Gleichzeitig hätten sich dabei noch weitere Leichtfigurenpaare getauscht, so dass mein Gegner ins Remis einwilligte (1-1).

 

Zu diesem Zeitpunkt stand Nikos Brett schon völlig in Flammen. Keiner der Außenstehenden konnte mit Sicherheit sagen, wer denn eigentlich besser steht und die Aussagen der umstehenden Kiebitze wechselten von Zug zu Zug. Am Ende war es jedoch so, dass der Münchner Großmeister wohl alles korrekt durchgerechnet hatte und alle weißen Drohungen erfolgreich abwehren konnte. Nikos Gegenspiel verlief sich ins leere und auf der anderen Brettseite marschierte ein schwarzer Freibauer zur Dame. Nach einigen Racheschachs fügte sich Niko dann in die unvermeidbare Niederlage. (1-2)

 

Nicht gut aus sah es auch in Christophers Partie, der mit Schwarz eine ungenaue Zugfolge im Benoni wählte. Dadurch erlangte der Weiße freies Spiel ohne das typische schwarze Gegenspiel im Benoni fürchten zu müssen. Obwohl sich Christopher noch findig verteidigte, baute der Weißspieler seinen Vorteil souverän aus und verwertete diesen zu einem vollen Punkt (1-3).

 

Hoffnungen machten jedoch die anderen noch laufenden Partien. Klaus-Jürgen konnte zwar nach einer originellen Eröffnungsidee keinen Vorteil aus seinem Anzugsvorteil herausholen, befand sich dafür aber auch zu keiner Zeit in Verlustgefahr. Nach einigen Schlagfolgen im Mittelspiel erreichte er ein Endspiel mit Dame + Läufer gegen Dame + Läufer. Bei sonst gleichem Material einigten sich die beiden Kontrahenten an dieser Stelle auf remis (1,5-3,5).

 

Siar zeigte sich an diesem Spieltag mit seiner Eröffnungsbehandlung nicht weniger kreativ, zog er doch in den ersten 20 Zügen dreizehnmal mit seinen eigenen Bauern. In der Folge entstand ein interessantes Mittelspiel mit Chancen für beide Seiten. Einerseits sahen die weit vorgeschobenen Bauern bedrohlich aus, doch bekannter Weise können Bauern nicht mehr zurückziehen und neigen auch oft zur Schwäche. Nach der Suche auf Gegenspiel schob der Münchner Köpke seinen eigenen Freibauern in der Brettmitte immer weiter Richtung weißer Grundreihe. Kurz vor der Zeitkontrolle wähnte er sich vermutlich auf der Siegerstraße, da sein Bauer nur noch einen Schritt von der Umwandlung entfernt war und das Schlagen dieses Bauern scheinbar eine Figur verlöre. Doch Siar hatte weitergerechnet. Er bot seinen Läufer im Tausch gegen den Bauern an. Der Münchner hatte übersehen, dass bei der Annahme dieses Opfers ein weißer Bauer im Gegenzug auch zur Umwandlung laufen kann. Im Endeffekt ergäbe sich ein für Weiß gewonnenes Turmendspiel. Doch auch nach dem Partieverlauf erhielt Weiß ein vorteilhaftes Endspiel, welches Siar dann souverän zum vollen Punkt verwertete. (2,5-3,5)

 

Dramatische Szenen spielten sich in Melanies Partie ab. Ähnlich wie in der Partie vom Vortag erreichte sie dieses Mal mit Schwarz eine ausgeglichene Mittelspielstellung mit ihrer Königsindischen Verteidigung. Ihr Münchner Gegner spielt jedoch etwas unvorsichtig und Melanie erreichte in der Folge eine sehr aktive Stellung. Bei ausgeglichener Materialverteilung von Turm + 2 Läufer gegen Turm + 2 Läufer und jeweils gleicher Bauernanzahl stand ihr Turm schon auf der gegnerischen zweiten Reihe wohingegen der Weiße sich passiv verteidigen musste. Zu diesem Zeitpunkt waren beide schon recht knapp bei Zeit und mussten noch ca. 10 Züge bis zur Zeitkontrolle überstehen. Melanie verbrauchte an dieser Stelle einiges ihres Zeitvorteils und konnte ihren Vorteil durch einige starke Züge weiter ausbauen. Jedoch blieben ihr für die verbleibenden Züge auch nur noch ca. 3 Minuten sowie der Aufschlag von 30 Sekunden pro Zug. Aber auch ihr Gegner hatte zu diesem Zeitpunkt nur noch ca. 1 Minute auf der Uhr. In den nächsten Zügen spitzte sich die Situation immer weiter zu und Melanies Zeit wurde zunehmend knapper. Auf der anderen Seite fand sie auch immer die stärksten Züge und drängte die weißen Figuren immer weiter in die Enge. Das Unglück nahm seinen Lauf als Melanie im 38 Zug beim Berechnen einer vermeintlichen Gewinnvariante eine weitere Zugfolge entdeckte, kurzzeitig zögerte ob diese Variante nicht noch besser sei. Mit Schrecken mussten wir mit ansehen, wie die verbleibenden Sekunden unaufhaltsam herunterliefen. Bei noch knapp 2 Sekunden auf der Uhr realisierte Melanie, dass sie ziehen muss, jedoch war es schon zu spät. Beim Drücken der Uhr war die Zeit um wenige Zehntelsekunden abgelaufen. (2,5-4,5)

 

Damit war der Mannschaftskampf zu Gunsten der Garchinger entschieden. Der Ausgang von Thorstens Partie konnte an dieser Stelle auch nichts mehr am Ergebnis ändern. Nichtsdestotrotz kämpfte Thorsten noch lange um den vollen Punkt. Ausgangs der Eröffnung besaß er die etwas aktivere Stellung, konnte aber in der Folge trotz mehrerer Versuche die schwarze Stellung nicht knacken. Nach knapp 6 Stunden Spielzeit willigte er am Ende in das Remis und den Endstand von 3-5 ein.

 

SC Garching 5 - 3 SF Neuberg

 

1 Stocek,Jiri 1 : 0 Lubbe,Nikolas 1

 

3 Loetscher,Roland 1 : 0 Ohme,Melanie 2

 

4 Koepke,Christian 0 : 1 Wahedi,Ahmad Siar 3

 

5 Bredl,Harald ½ : ½ Kuenstler,Christian 4

 

6 Levushkina,Elena ½ : ½ Overbeck,Thorsten 5

 

7 Seifert,Volker 1 : 0 Seifert,Christopher 6

 

10 Ruecker,Benjamin ½ : ½ Lutz,Klaus-Juergen,Dr. 7

 

13 Dehlinger,Alexander ½ : ½ Schaffer,Hendrik 8

 

 

Auch wenn wir die ersten Mannschaftspunkte noch nicht erspielen konnten, bleibt die Erkenntnis, dass wir durchaus unsere Chancen haben und mit Sicherheit auch noch bekommen werden. Wir bleiben dran